Mitarbeitende erzählen

Die Zukunft der Elektrolehre – Herausforderungen und Chancen

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Philipp Wyss, üK-Berufsbildner, betreut mit seinem Team rund 1000 Lernende. Er selbst hat die Elektrikerausbildung absolviert und bis zur Meisterprüfung weitergeführt. Seit viereinhalb Jahren engagiert er sich in der Ausbildung junger Fachkräfte und bringt wertvolle Erfahrungen aus der Praxis mit. In diesem Interview gibt er spannende Einblicke in die Herausforderungen und Zukunftsaussichten der Elektrolehre.

Welche Fähigkeiten und Eigenschaften sind besonders wichtig für eine erfolgreiche Elektrolehre?
Um in der Elektrolehre erfolgreich zu sein, sind verschiedene Fähigkeiten und Eigenschaften wichtig. Ein gutes Vorstellungsvermögen hilft, komplexe Zusammenhänge zu erfassen. Geduld und Durchhaltewillen sind essenziell, insbesondere wenn es darum geht, knifflige Aufgaben zu lösen. Mathematik spielt eine zentrale Rolle, da viel gerechnet wird. Zudem ist es wichtig, sich mit den Fachbegriffen vertraut zu machen, da diese für viele Lernende anfangs eine Herausforderung darstellen.

Wie stellen Sie sicher, dass die Lernenden sowohl theoretisch als auch praktisch gut ausgebildet werden?
Eine fundierte Ausbildung erfordert eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Fachbegriffe werden konsequent in den Kursen verwendet, um den Lernenden bewusst zu machen, dass sie eine neue „Sprache“ erlernen. 

Der Lernprozess beginnt mit dem Zeichnen eines Schemas, das anschliessend im Labor gesteckt und schliesslich an der Wand installiert wird. Wiederholungsphasen sind dabei besonders wichtig. Die Ausbildung ist zudem in mehrere überbetriebliche Kurse (üK) gegliedert, beispielsweise in drei dreiwöchige Blöcke für Montage-Elektriker.

Welche technologischen Entwicklungen beeinflussen aktuell die Ausbildung?
Die Digitalisierung verändert die Ausbildung grundlegend. Wo früher Papierdokumente genutzt wurden, sind heute sämtliche Unterlagen digital verfügbar, beispielsweise in OneNote. Smartphones sind nicht nur Kommunikationsmittel, sondern werden zunehmend für die Steuerung, Programmierung und Konfiguration von Systemen eingesetzt. Trotz dieser Entwicklungen bleibt das Handwerk der Kern des Berufs.

Was sind die häufigsten Herausforderungen in der Arbeit mit Lernenden?
Eine der grössten Herausforderungen ist die abnehmende Aufmerksamkeitsspanne der neuen Generation. Die ständige Reizüberflutung durch Smartphones und digitale Medien erschwert es, die Konzentration über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten. Als Ausbildner musst du heute schon fast Entertainer spielen. Praxisorientiertes Lernen spielt hierbei eine zentrale Rolle: Durch das „Machen“ verstehen die Lernenden die Abläufe besser und erzielen nachhaltige Lernerfolge.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsperspektiven für Elektriker nach der Lehre?
Die Zukunftsaussichten für Elektriker sind äusserst vielversprechend. Elektriker werden immer gebraucht – nach Pflegeberufen ist dies der Beruf mit den meisten offenen Stellen. Die zunehmende Digitalisierung könnte den Beruf in einigen Bereichen vereinfachen, da komplexe Steuerungen, die früher von Elektrikern selbst konzipiert wurden, zunehmend von Spezialisten übernommen werden. Dennoch bleibt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften hoch, und die langfristigen Karrierechancen sind exzellent.